So fanden Menschen und Pferde zueinander

Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd hat zweifellos die Welt verändert. Doch wann wurden die ersten Pferde gezähmt und wann entdeckten Mensch und Tier ihre besondere Beziehung zueinander? Heute geht man davon aus, dass das vor rund 6.500 Jahren passiert ist. Ein heute bereits verschwundenes Volk entdeckte die Möglichkeit die Arbeitskraft der Tiere für sich zu nutzen.

Genetiker haben mittlerweile nachgewiesen, dass vieles von dem, was wir heute als europäisch bezeichnen würden, auf dem Rücken von Pferden nach Europa kam. Verantwortlich dafür war eine Reiterkultur aus Zentralasien, die bis nach Europa vordrang. Die folgenden Einwanderungswellen ersetzten bis zu 90 Prozent der damals einheimischen Bevölkerung. Denn zuvor hatte dort bereits die Pest gewütet. Die Zähmung des Pferdes hat also die Welt tatsächlich für immer verändert.

Die Geschichte reicht 6.500 Jahre zurück

Alles begann rund 3.500 vor Christus. Damals fingen Steppenvölker Asiens die ersten Wildpferde zwischen der Wolga-Mündung und dem Aralsee ein. Sie zähmten sie und gingen damit fortan eine enge Verbindung mit ihnen ein. Dass Pferde dem Menschen von Nutzen sein können, erkannten bald auch die Völker in Europa und Nordafrika. Zu Beginn wurden diese noch ohne Sattel und Bügel geritten. Die Reiter dirigierten die Pferde mit einem Hanfseil. Zunächst nutzte man die Kraft der Tiere, um schwere Lasten zu transportieren. Räder kannte man damals noch nicht, also spannte man die Pferde vor ein Gestell aus Stangen. Dieses schleiften die Tiere dann hinter sich her.

Als der Mensch begann seine Pferde auch im Krieg einzusetzen, brach ein neues Zeitalter an. Die Kriegswägen der Aggressoren drangen weit in die Kontinente vor. So fielen beispielsweise die Hyksos schon 1.600 vor Christus in Ägypten ein, wo man das Pferd noch gar nicht kannte. Das Reitervolk der Skythen drang 900 vor Christus gar bis in den Donauraum vor. Dass die Kelten ihren Einflussbereich in ganz Westeuropa ausdehnen konnten, verdankten sie ihren Pferden, den sogenannten Kelten Ponys.

Vom Arbeitstier zum Gefährten

In Nordeuropa verlegten sich die Germanen auf die Züchtung des Germanen Ponys. Diese Art war lange Zeit ein beliebtes Tragetier und Reittier. Da sich die Grenzen des germanischen und des keltischen Reiches immer wieder überschnitten kam es schnell zu Mischformen beider Tiere. In Island wurden beispielsweise beiden Tierarten heimisch. Verantwortlich dafür waren die Eroberungszüge der Wikinger, die beiden Arten in ihre Dienste stellten. Es sollte ganze 1.000 Jahre dauern, bis neue Rassen in Island Einzug hielten.

Vom Arbeitstier zum Gefährten
Vom Arbeitstier zum Gefährten

Die Vielzahl an Pferderassen, die es heute gibt, entstanden durch die Zuchtauswahl der Menschen. Mittlerweile gibt es von kleinen Ponys bis hin zu sportlichen Vierbeinern und entsprechenden Arbeitspferden so gut wie alles. Lange Zeit waren die Pferde ein unersetzlicher Arbeitshelfer für ihre Besitzer. Sie halfen große Distanzen zu überwinden, schwere Lasten zu transportieren und bei der Arbeit in der Landwirtschaft. Diesen Status haben Pferde heute verloren. Die Beziehung zwischen Pferd und Mensch hat sich deutlich gewandelt. Heute sind die edlen Tiere bevorzugte Kameraden in der Freizeit. Ihre Besitzer genießen die Zeit mit ihren Tieren und hegen und pflegen sie so, wie sie es verdient haben.